Meine Recherche zu Performative Höhen- Luftartistikräume in arboristischen Strukturen – wurde gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten Bundesregierung für „ Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.
Zu Beginn der Recherche suchte ich nach passenden Orten für das Projekt. Über Google Maps verschaffte ich mir einen Überblick bewaldeter Gebiete in der Umgebung der nördlichen Lüneburger Heide, woraufhin ich die vielversprechendsten Stellen vor Ort aufsuchte. Hauptaugenmerk lag dabei auf der Baumart mit der gebotenen Aststruktur, sowie dem Umfeld und der generellen Erreichbarkeit.
Zum Recherchieren musste ich eine Genehmigung für die selektierten Orte einholen,also zuerst die Verantwortlichen Personen ausmachen. Dies gelang zumeist über eine internet Recherche oder Anfragen an Nachbarn.

Da ich eine Grundausbildung in der Seilzugangstechnik der Baumpflege habe, wird die
Kenntnis und Wahrung dendrologischer Aspekte sichergestellt. Die Unversehrtheit der
arboristischen Strukturen sowie die Sicherheit der luftartistischen Aufhängepunkte
ist hierdurch gewährleistet.



Als nächstes wird an den ausgewählten Orten eine Probensituation erschaffen. Unter der
Fragestellung „Was macht die Umgebung Baum und Wald mit dem performativen Kontext?“
wird luftartistisch recherchiert und in Bewegung geforscht.
Das Proben in der Natur und am Baum hat eine ganz andere Qualität als im Innenraum. Die Bedingungen sind nie konstant, Wetter und Lichteinfall können sich jederzeit ändern. So entsteht eine bewusstere Wahrnehmung der Umgebung, welche eine Wirkung auf das Training hat.
In der kreativen Forschung gab mir die Waldumgebung das Gefühl von unbegrenzter Weite. Die Zeit dehnte sich aus und die Bewegungen mit ihr. Ich erforschte länger einzelne Positionen, wobei die sich verändernde Umgebung den Spannungsbogen aufrechterhielt.




Es kam das Bedürfnis auf, mit dem Baum, also dem Riggingpunkt in Kontakt zu treten und mich dort bewegungstechnisch zu entfalten. Durch Bewegung in einen Dialog mit der Umwelt einzutauchen, über mein Circus-Requisit hinaus. Im Luftraum nutze ich auch den Boden, aber nicht andere Hängepunkte – es wirkte nicht anziehend auf mich. Dort konzentriere ich mich meist auf mein Requisit und eine spannende Bewegungsabfolge.
Ursprünglich war der Plan, mit meinem Aerial Hoop zu recherchieren. Doch schon bald hatte ich das Empfinden, dass der Ring sehr limitierend ist. Er benötigt ein klar definiertes Arbeitsumfeld bezüglich des Abstandes zum Boden und Ästen, um diese nicht zu berühren. Ich kletterte vermehrt im Baum und erforschte Bewegungen an und um Äste herum, losgelöst von meinem Requisit. Schließlich entstand die Idee ein Multicord zu bauen:
Ein Requisit, welches einem Tuch ähnelt, und aus vielen nebeneinander gehängten dünnen Seilen besteht. Dieses Multicord hängte ich in eine Buche mit vielen Ästen. Es gab mir die Möglichkeit, in einem vielschichtigen Bewegungsfenster zu forschen und zusätzlich einzelne Äste einzubeziehen. Die Äste nutzte ich meist als Griff- und Trittmöglichkeiten, erforschte aber auch Bewegungen um die Äste herum. So konnte ich meine Bewegungsrecherche um einen Wechsel zwischen Requisit und Baumstruktur erweitern und in einen spannenden Dialog gehen. Ich nahm das Multicord auch mit in den Luftraum, um es dort weiter zu erforschen. Im Innenraum konnte ich fokussiert am Requisit selbst recherchieren und mein Bewegungsrepertoire erweitern, ohne auf die Baumstruktur einzugehen.




Perspektivisch würde ich sehr gerne eine Produktion im Wald mit Livemusik und 2-3 weiteren Artisten umsetzen.

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